Rheinauhafen Köln

Das Gelände des Rheinauhafens liegt etwa zwischen Rheinkilometer 685,7 und 687,6 bemessen an der Rheinkilometrierung ab Konstanz. Es erstreckt sich von Norden nach Süden über ca. 2 km, die Fläche beträgt von der Nordspitze bis zum Südende der Kaimauer 14,2 Hektar. Das Hafengebiet ist mit dem Severinsviertel und dem Georgsviertel besonders typischen Kölner Altstadtvierteln sowie der in der Gründerzeit entstandenen südlichen Neustadt auf der Rheinseite vorgelagert. Diese Stadtviertel werden vom Rhein durch das Hafengebiet und die stark befahrene Rheinuferstraße getrennt.

Historische Entwicklung
Das Gebiet des Rheinauhafens hat in seiner Vergangenheit die verschiedensten Entwicklungen erfahren. Das Werth entstand im Mittelalter zwischen Bayenturm und St. Maria Lyskirchen als vorgelagerte Flussinsel im Rhein. Westlich des Werths befand sich ein Nebenarm des Rheines, östlich wurde es vom Rhein begrenzt. Es handelte sich beim Werth ab dem 13. Jahrhundert zunächst überwiegend um eine Insel, auf der Schiffe gebaut und repariert wurden, es wurde damals aber auch noch als Hinrichtungsstätte genutzt.

Auf 1750 ist eine Veröffentlichung datiert, in der das Werth als „Liebesgestade für Paare“ bezeichnet wird. Bis 1871 hatte die Halbinsel des Werths drei Funktionen zu erfüllen: sie diente als Sicherheitshafen der Schifffahrt, war durch die Verlagerung der Befestigungsmauer eine militärische Verteidigungsanlage gegen Frankreich und diente als Freizeitanlage den Kölner Bürgerinnen und Bürgern. Im Mai 1898 wurde nach 6 Jahren Bauzeit die Hafenanlage bzw. der moderne Handelshafen eröffnet. Von 1898 bis 1969 war der Rheinauhafen ein wichtiger Umschlagplatz und Zollhafen, der an seiner Westseite durch die Rheinuferstraße und von Süden durch einen Eisenbahnanschluss erschlossen war. Umgeschlagen wurden in dieser Zeit unter anderem Getreide und Hülsenfrüchte, Nahrungs- und Genussmittel, Kohlen (v. a. Braunkohlenbrikette im Versand), Holz, Erze, Eisen und Stahl(-waren), chemische Erzeugnisse sowie Steine, Kiese, Sand und Erden.

Der Rheinauhafen in Köln



Etwa ab 1970 war der Rheinauhafen nicht mehr leistungsfähig genug für den Umschlag, da die Schiffe für das Hafenbecken und seine schmale Einfahrt zu groß geworden waren. Auch wurde durch die Umstellung der Handelsschifffahrt auf den Transport per Container eine Erweiterung des Hafengeländes bzw. die Bereitstellung von großen Flächen für die Lagerung der Container notwendig, was auf dem Gelände des Rheinauhafens nicht geleistet werden konnte. Die Anforderungen an die neuen Schiffe und die Erweiterungsmöglichkeiten wurden jedoch vom Niehler Hafen, wo auch Containerbrücken errichtet werden konnten, erfüllt. Der Rheinauhafen wurde daher ab dieser Zeit hauptsächlich als Sport- und Yachthafen genutzt.

Im Jahr 1976 begann die Planungsphase der Revitalisierung mit dem Beschluss der stadt Köln, die Hafennutzung im Rheinauhafen bis zum Jahr 2000 auslaufen zu lassen. Die Stadt erkannte das Potential dieser innenstadtnahen Fläche, deren Hafenumschlag rückläufig war. Zunächst war die Zielsetzung eine Umnutzung als Museumsinsel, später wurde über die Schaffung von Grünflächen als Erholungsraum für die Kölner Bevölkerung, insbesondere die Bewohner des Severinsviertels, nachgedacht. Während auf städtischer Seite noch keine konkrete Planung zur Revitalisierung des Rheinauhafens erfolgte, wurde im Sommer 1988 von Bewohnern des Severinsviertels das Konzept „ArGe Kulturhafen“ vorgeschlagen. Es sah die Förderung kultureller Bildung vor. Verschiedene Unternehmen zeigten sich in der Folgezeit an Flächen im Rheinauhafen interessiert. So wollte im Februar 1988 das NOK (Nationales Olympisches Komitee, mittlerweile Deutscher Olympischer Sportbund) im Rheinauhafen ein Nationales Olympisches Institut einrichten. Favorisiert wurde dafür das Gebäude des Hafenamts. 1991 war das Festkomitee Kölner Karneval am Ausbau der Lagerhalle 10 interessiert. Im Jahr 1991 wurde von der Stadt Köln ein Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Hafenbereiches ausgeschrieben. Der Rheinauhafen sollte bei den Planungen „unter Ausnutzung der sich aus dem Standort ergebenden städtebaulichen Chancen und zur Minderung der in den angrenzenden Stadtzellen vorhandenen städtebaulichen Missstände einer neuen Nutzung und Gestaltung zugeführt werden“. Nutzungen für Kultur, Freizeit und Wohnen und verträgliches Gewerbe (z. B. Dienstleistungen) wurden als Entwicklungsziele vorgegeben. Auch sollte weitestgehend ökologisches Bauen Berücksichtigung finden und über eine Neugestaltung der Rheinuferbebauung und bauliche Fassung der westlichen Brückenrampe nachgedacht werden. Weiterhin sollten im Wettbewerb unter anderem Vorschläge zur Verknüpfung mit dem Severins- und Georgsviertel sowie den an das Gelände anschließenden Rheinuferzonen und Grünflächen angestrebt werden. Dabei mussten Maßnahmen zur Nutzung des Geländes und der Gebäude bei Hochwasser beachtet werden. In den 90er Jahren kam es zu verschiedenen Aktionen von Bürgern, die eine Mitsprache bei der Planung des Rheinauhafen forderten und eigene Ideen präsentierten, wie zum Beispiel einer rein kulturell genutzten Insel. Die Zielvorstellungen, wie der Rheinauhafen durch Flächenrecycling umgenutzt werden kann, veränderten sich demnach von der Nutzung als Grünfläche und Erholungsraum hin zu einer Nutzung als Raum für Arbeiten, Wohnen und Kultur.